Was kostet ein Girokonto?

Laut Bundesbank sind weit über 100 Millionen Girokonten in Deutschland registriert, womit es hierzulande mehr dieser Konten als Einwohner gibt. Das Girokonto ist mit Abstand das wichtigste Konto, im Prinzip benötigt jeder im geschäftsfähigen Alter eines, um seine Geldangelegenheiten abzuwickeln. Doch was kostet ein Girokonto eigentlich? Oft sind die Kosten nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, denn neben Kontoführungsgebühren fallen bei vielen Banken auch Kosten für bestimmte Kontoaktivitäten wie Überweisungen und Geldabhebungen am Automaten an. In diesem Artikel erfahren Sie, welche offensichtlichen und versteckten Kosten bei einem Girokonto anfallen können.

Kontoführungsgebühr

Bei einigen Banken fällt für ein Girokonto eine monatliche Gebühr an, die sich über das Jahr hochgerechnet summiert. So kann es schon sein, dass 100 Euro oder mehr pro Jahr an Kontoführungsgebühren zusammenkommen. Das sorgt bei preisbewussten Verbrauchern nicht gerade für Freude. Das Gute: Diese Kontoführungsgebühren sind offensichtlich, man weiß also meist auf den ersten Blick, was auf einen zukommt. Zudem gibt es viele Banken, vor allem Direktbanken, die keine Kontoführungsgebühren verlangen.

Dann gibt es wiederum zahlreiche Banken, bei denen die Kontoführung unter bestimmten Bedingungen kostenlos ist. Bei manchen Geldinstituten ist die Kontoführung nur für einen gewissen Zeitraum, zum Beispiel für ein Jahr kostenlos. Danach fallen Gebühren an. Da man ein Girokonto im Normalfall nicht für den kurzzeitigen Gebrauch eröffnet, sollte man das unbedingt beachten.

Andere Banken knüpfen die kostenlose Kontoführung an einen monatlichen Geldeingang von einer bestimmten Höhe. Hier lauern Fallstricke: Einige Banken nehmen dabei Klassifizierungen vor und sprechen von einem Mindestgehaltseingang – das eingehende Geld muss also als Gehalt, Rente o.ä. gekennzeichnet sein, um den Anforderungen zu entsprechen. Fallen bestimmte Geldeingänge nicht unter dieses Kriterium, werden sie nicht berücksichtigt, und man zahlt Kontoführungsgebühren, obwohl man vielleicht gar nicht damit rechnet. Ist von einem Mindestgeldeingang die Rede, ist der Ursprung der Zahlung irrelevant, aber auch hier kann es zu Problemen kommen: Geht das Gehalt zum Beispiel mal einen Monat verspätet ein, werden die Bedingungen für die kostenlose Girokontenführung sofort verletzt. Um auf Nummer sicher zu gehen, können Sie einen Dauerauftrag einrichten und die erforderliche Geldsumme jeden Monat von einem anderen Konto, zum Beispiel einem Tagesgeldkonto, auf Ihr Girokonto schicken.

Schließlich gibt es auch Geldinstitute, welche die kostenlose Kontoführung an eine gewisse Mindestaktivität koppeln. So müssen Sie hier zum Beispiel eine Mindestanzahl an Überweisungen pro Monat durchführen, um die Bedingungen zu erfüllen. Bleiben Sie mal einen Monat unter der erforderlichen Anzahl, werden sofort Gebühren fällig.

Mögliche weitere Kostenpunkte beim Girokonto

Neben den Kontoführungsgebühren tauchen beim Girokonto häufig Gebühren für bestimmte Kontoaktivitäten auf, über die sich der Kontoinhaber oft erst auf den zweiten Blick bewusst wird. Wer diesbezüglich keine Überraschungen erleben will, sollte vor Vertragsabschluss gründlich die AGB bzw. das Kleingedruckte checken, wo diese Posten gegebenenfalls auftauchen.

Transaktionsgebühren

Manche Banken berechnen ihren Kunden sogenannte Transaktionsgebühren für Überweisungen oder vergleichbare Kontoaktivitäten. Das ist aus Sicht des Kunden natürlich ein unerwünschter Kostenfaktor, erst recht wenn man viele Überweisungen monatlich zu tätigen hat. Üblich sind Gebühren für Überweisungen innerhalb Deutschlands nicht – beim Großteil der Banken fallen dafür keine Kosten an. Anders verhält es sich bei Auslandsüberweisungen, hier ist es durchaus üblich, dass Gebühren berechnet werden. Hinsichtlich ihrer Höhe gibt es dabei beträchtliche Unterschiede, allerdings lassen sich viele Banken diese Dienstleistung gut honorieren. Wer viele Überweisungen, Daueraufträge etc. über sein Girokonto abwickeln möchte, sollte die Transaktionsgebühren auf jeden Fall im Auge behalten und gegebenenfalls die Konditionen der verschiedenen Anbieter hierzu vergleichen.

Giro- und Kreditkarte

Bei der Eröffnung eines Girokontos erhält der Kunde üblicherweise eine Giro-/Maestro-Karte, die umgangssprachlich häufig EC-Karte genannt wird. Damit kann man an Geldautomaten und mittlerweile häufig auch andernorts, zum Beispiel in Supermärkten, Bargeld abheben oder in Geschäften, Restaurants etc. bequem bargeldlos bezahlen. Bei den meisten Geldinstituten in Deutschland erhalten Sie diese Bankkarte kostenlos zur Kontoeröffnung. Manche Banken erheben dafür jedoch auch eine Gebühr. Das sollte man wissen, um ein Auge darauf zu haben, ob für die Verwendung der eigenen EC-Karte eventuell Kosten anfallen. Sind einem diese zu hoch, gibt es wie gesagt genügend Banken, die eine kostenlose Girocard zur Verfügung stellen.

Eine Kreditkarte bringt so einige Vorteile mit sich, zum Beispiel kann man damit auch in vielen anderen Ländern bequem bargeldlos bezahlen. Manchmal bekommen Kunden zur Eröffnung eines Girokontos eine kostenlose Kreditkarte dazu – das ist natürlich ein willkommener Bonus, zumindest wenn man eine solche Karte auch gebrauchen kann. Wer keine benötigt, sollte darauf achten, dass er nicht im Zuge der Kontoeröffnung eine erhält und für diese dann eine monatliche oder jährliche Gebühr bezahlt. Dieses Vorgehen ist bei einigen Geldinstituten durchaus üblich und so zahlt man quasi durch die Hintertür unnötig Geld für sein Girokonto. Wissenswert ist in dem Zusammenhang, dass es spezielle Kreditkartenanbieter gibt, bei denen für den Besitz und die Verwendung der Kreditkarte kein Geld bezahlt werden muss.

Bargeldabhebung am Automaten

Bevor man ein Girokonto eröffnet, sollte man sich informieren, wo man Geld abheben kann und wie viel das gegebenenfalls kostet. Muss man für die Bargeldversorgung immer extra 15 Kilometer oder mehr fahren, summieren sich sogar die Benzinkosten zu beträchtlichen versteckten Kontokosten. Bei vielen Banken ist die Bargeldabhebung an den Automaten ihrer Filialen bzw. innerhalb ihres Partnernetzwerks kostenlos. Möchte man aber zum Beispiel an dem Automaten einer Bank Geld abheben, bei der man nicht Kunde ist, fallen dafür stolze Gebühren an. Des Weiteren ist zu beachten, dass viele Banken mittlerweile die Anzahl der kostenlosen Abhebungen limitiert haben. So können Sie zum Beispiel 5 mal im Monat kostenlos Geld abheben – ab dem sechsten Mal zahlen Sie jedoch dafür Gebühren. Bankkunden, die sich gelegentlich im Ausland aufhalten, was im Urlaub auf die meisten zutrifft, sollten sich zudem informieren, ob ihre Bank für die Bargeldabhebung in anderen Ländern Gebühren verlangt und wie hoch diese gegebenenfalls ausfallen.

Überweisungen auf Papier

Auch wenn im digitalen Zeitalter die meisten Bankkunden auf die Vorteile von Online-Banking und Mobile-Banking setzen, gibt es immer noch viele Menschen, die den neuen technischen Möglichkeiten nicht so vertrauen und ihre Bankgeschäfte lieber analog durchführen. Dazu gehört auch, die Überweisungen über einen Überweisungsträger aus Papier durchzuführen, der in der Bank abgegeben wird. Dafür verlangt ein Großteil der Banken aber mittlerweile eine Gebühr. Wenn man entsprechend viele Überweisungen im Monat auf diese Weise tätigt, kommt schnell eine nennenswerte Summe zusammen.

Dispositionskredit

Ein Charakteristikum eines Girokontos ist der Dispositionskredit (Dispo), der an sich eine gute Sache ist. Wird das Geld zum Beispiel zum Monatsende hin knapp oder lässt das Gehalt mal auf sich warten, kann man das Girokonto bis zu einem gewissen Rahmen überziehen und so trotzdem einkaufen. Doch bei manchen Banken erweist sich der Dispositionszins als echte Kostenfalle, weil er unverhältnismäßig hoch ist. Nimmt man den Dispo in Anspruch, werden die fälligen Zinsen zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung. Beachten Sie, dass die Dispositionszinsen bei vielen Banken unter 10 Prozent liegen – liegen sie weit darüber, sollten Sie gegebenenfalls darüber nachdenken, den Anbieter zu wechseln.

Fazit

Wirklich zu hundert Prozent kostenlos ist das Girokonto nur in den seltensten Fällen. Neben den offensichtlichen Kontoführungsgebühren gibt es noch viele Kostenpunkte, die erst auf den zweiten Blick ersichtlich sind und die tatsächlichen Kontokosten mitunter ordentlich in die Höhe treiben können. Bankkunden sollten sich also vorab genau überlegen, was sie von ihrem Girokonto erwarten und dabei die Kostenfallen im Auge behalten. Im Zweifelsfall lohnt sich ein Blick in die AGB, wo die Gebühren und Zinsen aufgeführt werden. Es kann sich mitunter auf jeden Fall auszahlen, einmal zu ermitteln, was man tatsächlich pro Jahr für sein Girokonto bezahlt.

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